Coming soon!
Motive aus dem aktuellen Kalender der Missionswerke

Bitte hier bestellen.

Im Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW) haben sich Missionswerke, Kirchen, Vereine und Verbände zusammengeschlossen.

mehr

www.mission.de


Logo MissionRespekt


Was Sie schon immer über MissionRespekt wissen wollten


Direkter Link zum Video-Download


Logo R-E-T


Aktuelle Publikationen

1-2017: Rituale – Was dem Alltag Tiefe gibt
mehr...


Mission Respekt - Christliches Zeugnis in ökumenischer Weite
mehr...


Begegnungen auf der Seidenstraße
mehr...


3-2016: Philippinen
mehr...


Flächentreue Weltkarte: Peters- und McArthur-Projektion [GEFALZT]
mehr...


EMW-Video
EMW-Video Video ansehen



Über aktuelle Themen informiert das EMW ab sofort mit dem digitalen Informationsdienst EMW-Dossier.

Die 6. Ausgabe widmet sich dem Thema „Kirchen auf schwierigem Terrain: Dialog der Kirchen im Nahen Osten“.

Digitales Dossier als PDF

alle Dossiers...


Tageslosung

Die Losung des Tages lesen Sie HIER

© Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine


Ich bin ein libanesischer Christ


Video auf youtube.de

Ich bin ein irakischer Christ

Video auf youtube.de

Ich bin ein ägyptischer Christ

Video auf youtube.de


27.02.2017

Die Ökumene unterwegs nach Arusha

Von Weltmissionskonferenzen sind häufig wichtige Impulse ausgegangen für Debatten über die Mission der Kirchen weltweit. Auch an die kommende Konferenz vom 8. bis 13. März 2018 in Arusha/Tansania richten sich hohe Erwartungen. EMW-Direktor Christoph Anders stellt den besonderen Tagungsort vor und wirft einen Blick auf die voraussichtilichen Themen.

Seit sechzig Jahren hat es in Afrika keine Weltmissionskonferenz mehr gegeben – als man sich 1958 in Achimota/Ghana traf, waren die meisten Länder noch Kolonien. Dass nun wieder eine ökumenisch-missionarische Grossveranstaltung auf dem Kontinent stattfindet, ist erfreulich, denn Afrika wird für die Zukunft der Weltchristenheit erhebliche Bedeutung zugeschrieben. Längst schon beschränkt sich afrikanische Präsenz nicht nur auf Länder dieser Region. Durch verstärkte Migration sind in den letzten Jahrzehnten in Europa afrikanische Diasporagemeinden entstanden, die durch ihre Glaubenspraxis die kirchliche Landschaft mancherorts deutlich verändert hat.

Arusha ist als Veranstaltungsort symbolisch wichtig. Auf der Mitte der Strecke zwischen Kairo und Kapstadt gelegen, steht die Stadt damit symbolisch für innerafrikanische Verbindungswege von weit entfernten, kulturell verschiedenen Orten. Hier wurde 1967 mit der Arusha-Erklärung des damaligen Präsidenten Julius Nyerere das Ziel einer den afrikanischen Verhältnissen angepassten sozialistischen Gesellschaft proklamiert. Von 1995 bis 2015 tagte in der Stadt der Internationale Strafgerichtshof zur juristischen Aufarbeitung des Völkermordes in Ruanda.

Ein Ort mit Geschichte
Der gewählte Ort ist auch aus deutscher Sicht bedeutungsvoll, zeigt er doch exemplarisch die Verflechtung von Kolonial- und Missionsgeschichte. Mit der Anmeldung von Besitzansprüchen in Ostafrika durch das deutsche Kaiserreich seit den 1880er Jahren und dem nachfolgenden Aufbau kolonialer Strukturen in „Deutsch-Ostafrika“ verstärkten sich Aktivitäten deutscher Missionsorganisationen.

Dies geschah nicht selten aufgrund ausdrücklicher Wünsche der kolonialen Akteure. In die benachbarte Region des Kilimandscharo, später in das Gebiet des Mount Meru, hatte – nach Verhandlungen mit der dort bereits tätigen anglikanischen Church Mission Society – die Leipziger Mission seit 1893 eigene Missionare entsandt. Dort wollte man auch einer sich abzeichnenden katholischen Präsenz ein protestantisches Missionsprofil entgegensetzen.


Arusha, die 400.000-Einwohner-Stadt nahe der tansanisch-kenianischen Grenze, wird überragt vom Mount Meru. Der „kleine Bruder des Kilimandscharo“ ist 4.500 Meter hoch. Foto © Wikimedia Commons/Phase9)
Im Oktober 1896 kam es dort zu einem folgenreichen Zwischenfall: Zwei zuvor mit einer Kolonialtruppe eingetroffene Leipziger Missionare wurden von Arusha-Kriegern umgebracht. Im Zuge von umgehend erfolgenden militärischen Strafexpeditionen kam es zu Tötungen, Zwangsumsiedlungen und Enteignungen der lokalen Bevölkerung zugunsten südafrikanischer Siedler. Nutztiere wurden abgeschlachtet, Plantagen zerstört, Zwangsarbeit und Steuern eingeführt.

Der jetzige Direktor der Leipziger Mission, Ravinder Salooja, hat diese Geschichte jüngst erforscht. Danach begann eine geplante Missionsarbeit im Gebiet der Arusha offenbar erst 1904. Der erste Tauf-anwärter wurde Pfingsten 1907 getauft, zwei Jahre später das erste Abendmahl gefeiert, erst 1919 erfolgte die Gründung einer Gemeinde. Später erwuchs aus dieser und anderen Missionstätigkeiten eine der grössten lutherischen Kirchen Afrikas, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania (ELCT), Gastgeberin der Weltmissionskonferenz.

Aufgearbeitet wurde die Frühzeit der tansanisch-deutschen Missionsgeschichte erst 1993: Paulo Akyoo, Bischof der Meru-Diözese, überreichte Joachim Schlegel, dem damaligen Direktor der Leipziger Mission, ein Makonde-Kreuz als Symbol der Versöhnung. Es hängt seitdem im Andachtsraum der Leipziger Mission.

Ein Thema mit vielen Facetten
Das Thema der Konferenz – auf Englisch „Moving in the Spirit – Called to transforming Discipleship“ – könnte man frei ins Deutsche mit „Unterwegs im Geist – berufen, nachfolgen, verwandeln“ übertragen. Kein Bibelzitat also oder Gebetsruf wie bei früheren Weltmissionskonferenzen, sondern ein programmatisch zusammengesetzter Titel mit vielfältigen Anknüpfungspunkten – zum Beispiel die Fragen nach dem Wirken des Heiligen Geistes und nach der Erkennbarkeit der Nachfolge.


2005 fand die letzte reguläre Weltmissionskonferenz in Athen statt. © ÖRK/Peter Williams
Der Verweis auf den (Heiligen) Geist nimmt Debatten der letzten Weltmissionskonferenz 2005 in Athen auf – „Come Holy Spirit – heal and reconcile“ („Komm, Heiliger Geist – heile und versöhne“). Dies ist auch ein Resultat intensiverer Dialoge zwischen dem Ökumenischen Rat der Kirchen und seiner Kommission für Weltmission und Evangelisation (CWME) mit Pfingstkirchen und charismatischen Netzwerken der Weltchristenheit. Diese Gespräche haben markante Spuren hinterlassen in der Missionserklärung des ÖRK „Gemeinsam für das Leben“ – dort werden verschiedene Dimensionen einer „Mission im Geist“ breit entfaltet.

Die Rede vom (sich) Bewegen oder Bewegtsein („moving“) erinnert daran, dass sich Akteure der weltweiten Mission seit ihren Anfängen als eine Bewegung und dynamischeres Gegenüber zu eher statischen, verfassten Kirchen verstanden haben. Um Bewegung oder Unterwegssein geht es auch beim „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“, der seit der letzten ÖRK-Vollversammlung in Busan/Südkorea (2013) einen Schwerpunkt der gesamten ÖRK-Arbeit ausmacht. Bewusst aufgegriffen sind damit auch die Folgen unterschiedlicher Migrationsbewegungen für die Landschaften der Weltchristenheit.

Der Transformations-Bezug knüpft an ökumenische Debatten der letzten Dekade an, wie sie auch in der Missionserklärung aufgenommen wurden. Glauben hat einen Bezug zur Welt und kann eine verändernde – transformierende – Kraft entfalten. Dies schlägt Brücken zu anderen, eher sozialethisch geprägten Debatten in der ökumenischen Bewegung, und daran kann in Arusha angeknüpft werden.

Auch „Rom“ arbeitet in der Konferenz mit
„Discipleship“, also Nachfolge, war ein Thema der Missionskonferenz von Edinburgh 2010 und des damit verbundenen Studienprozesses. Aktuell bleibt der Begriff, auch weil ihn Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (Freude über das Evangelium, 2013) als „missionarische Nachfolge“ prominent aufgegriffen hat. Die römisch-katholische Kirche, die über den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen im CWME mitarbeitet, wird hier sicher zur ökumenischen Debatte ihren Beitrag leisten.

Schliesslich fehlt auch nicht der „Call“ – der Ruf – als spezifische Form nachdrücklicher Beauftragung ökumenischer Akteure, der in fast jedem Titel ökumenischer Konferenzen der letzten Jahre vorkommt. Vermutlich soll damit die Bedeutung und die Verbindlichkeit der zu erzielenden Ergebnisse für weitere Zielgruppen unterstrichen werden. Man darf gespannt sein, wie die Auseinandersetzung mit diesem Anspruch geführt werden wird – und wie insgesamt die Impulse aus Arusha bei uns aufgenommen werden.

Pfarrer Christoph Anders ist Direktor des Evangelischen Missionswerks in Deutschland (EMW) und Mitglied von CWME.



Dieser Beitrag ist erschienen in Heft 1/2017 der EMW-Zeitschrift EineWelt. Er basiert auf einem wesentlich längeren Text, den der Autor für die nächste Ausgabe der International Review auf Mission verfasst hat.

Der vollständige, elfseitige Text kann hier als PDF heruntergeladen werden.