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24.04.2017

EKD bittet Nachfahren der Opfer des Namibia-Genozids um Vergebung

"Imperialer Machtanspruch und koloniale Herrschaft theologisch gerechtfertigt"

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bittet die Nachkommen der Opfer des Völkermords in Namibia vor mehr als 100 Jahren um Vergebung. "Wir bitten die Nachfahren der Opfer und alle, deren Vorfahren unter der Ausübung der deutschen Kolonialherrschaft gelitten haben, wegen des verübten Unrechts und zugefügten Leids aus tiefstem Herzen um Vergebung", heißt es in einer am Montag, 24.4., in Hannover veröffentlichten Erklärung der EKD.

Als Nachfolgeinstitution des einstigen Evangelischen Preußischen Oberkirchenrats, der seinerzeit im Auftrag aller deutschen evangelischen Landeskirchen gehandelt habe, bekenne sich die Kirche heute ausdrücklich gegenüber dem gesamten namibischen Volk und vor Gott zu dieser Schuld, heiß es in dem Dokument, dass der Rat der EKD verabschiedet hat.


Mit Matthäus 6,12 - Vergib uns unsere Schuld - ist die EKD-Erklärung überschrieben
Zwar hätten, soweit dies aus Quellen ersichtlich sei, die in das damalige Südwestafrika entsandten deutschen evangelischen Pfarrer nicht selbst direkt zu den Massentötungen aufgerufen. Durch die theologische Rechtfertigung von imperialem Machtanspruch und kolonialer Herrschaft sowie durch einen tief sitzenden Rassismus hätten sie aber den Boden bereitet für den Tod vieler Tausender Angehöriger der namibischen Volksgruppen in den Kriegshandlungen und Konzentrationslagern. "Dies ist eine große Schuld und durch nichts zu rechtfertigen", heißt es den Angaben zufolge in der Erklärung.

"Wir sind uns der Lasten bewusst, die die Nachkommen von Opfern und Tätern bis heute mit sich tragen", sagte die EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. Auch die jetzige Erklärung könne das damalige Unrecht keinesfalls ungeschehen machen. Sie sei jedoch Ausdruck der bleibenden historischen und ethischen Verpflichtung der EKD, gemeinsam mit den Nachfahren der Opfer das Gedenken an die Opfer wachzuhalten, für die Anerkennung des Genozids einzutreten und an der Überwindung des damaligen Unrechts zu arbeiten. "Wir müssen uns an die Zeit des Kolonialismus erinnern, aber wir brauchen dazu den Geist der Versöhnung." Die könne nur gelingen, wenn sich alle Bevölkerungsgruppen gegenseitig die Hand reichten, erläuterte Bosse-Huber.

Deutsche Kolonialtruppen hatten in Reaktion auf Aufstände zwischen 1904 und 1908 einen Vernichtungskrieg im Südwesten Afrikas geführt, der als Völkermord gewertet wird. Schätzungen zufolge wurden bis zu 100.000 Herero und Nama getötet oder in den sicheren Tod in der Wüste getrieben. Ein Großteil der Überlebenden wurde ihres Landes enteignet. Deutschland hatte 1884 die Kolonie Deutsch-Südwestafrika im heutigen Namibia errichtet.